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Eine Stele auf dem U-Bahnhof oder anderswo

Stellungnahme des Vereins Papageiensiedlung e.V. zur Petition »Umbenennung des U-Bahnhofs Onkel Toms Hütte«

Die Petition eines von Alltagsrassismus Betroffenen zur Umbenennung des U-Bahnhofs Onkel Toms Hütte verdient unseren Respekt. Weiße wissen nicht, wie sich Alltagsrassismus anfühlt, als andauerndes Unrecht ist er sicher eine große Belastung. Respekt verdient diese Petition auch, weil sie die Wahrnehmung von Nichtbetroffenen sensibilisiert und die Gelegenheit bietet, aufmerksam zu sein und aktiv gegen jede Art von Diskriminierung vorzugehen.

Der Begriff Onkel Tom wird innerhalb der schwarzen Community als Schmähung für überangepasste, unterwürfige Schwarze verwendet, was auf die Figur des Onkel Tom im Roman »Onkel Toms Hütte« von Harriet Beecher-Stowe zurückgeht. Der Name löst deshalb bei vielen Schwarzen andere Gefühle aus als bei vielen Weißen. Allerdings ist die Namensgebung des Bahnhofs und der Straße historisch nicht originär mit dem Roman verknüpft, sondern mit einem Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Ausflugslokal an der Krummen Lanke, dessen Besitzer Thomas hieß.

Die weltweit geführte Debatte um Rassismus und Black Lives Matter sollte auch bei uns vor Ort stattfinden, schon wegen des Namens »Onkel Toms Hütte«. Sie bietet einen guten Anlass zur Aufarbeitung des Kolonialismus, der als historisches Unrecht bis heute weiter wirkt, die Entwicklung ärmerer Länder zugunsten der sogenannten Ersten Welt verhindert, Armut und rassistische Diskriminierung verstetigt.

Eine Umbenennung des U-Bahnhofs und der Onkel-Tom-Straße wäre allerdings nur eine Tilgung des Namens. Die Bewertung von Personen, die seinerzeit durch eine Straßenbenennung geehrt werden sollten, kann sich im Laufe der Zeit stark verändern. Hier ist auch auf den umstrittenen Namensgeber der Ernst-Moritz-Arndt-Gemeinde in unserer Siedlung hinzuweisen. Namensänderungen können das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollen, nämlich Geschichte entsorgen und unsichtbar machen, statt sie immer wieder zu verlebendigen.

Eine Diskussionsveranstaltung mit AnwohnerInnen von Onkel Toms Hütte halten wir für sinnvoll und erforderlich. Aber die Corona-Regeln lassen eine öffentliche Versammlung derzeit leider nicht zu.

Als Verein unterstützen wir den Vorschlag, im U-Bahnhof, in der Vorhalle oder auf dem Vorplatz eine Stele mit einem aufklärenden Text aufzustellen, der die Geschichte der Namensnennung sachlich darstellt und die antirassistische Intention der Petition unterstreicht.

Als Nachbarschaftsverein ist es uns ein zentrales Anliegen, im Sinne von Bruno Taut ein gedeihliches Miteinander zu fördern. Deshalb greifen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten das Thema Diskriminierung, Unterdrückung und Verfolgung in unseren Veranstaltungen auf. Dies haben wir im Hinblick auf Judenverfolgung, Antisemitismus, Antiziganismus und Verfolgung von Sinti und Roma auch schon in der Vergangenheit getan.

Verein Papageiensiedlung, August 2020

Laden wieder eröffnet ab 13. Juni 2020

Wir öffnen ab Samstag den 13.Juni 2020 unseren Bruno Taut Laden wieder. Da für einen Regelbetrieb nicht genügend Betreuer:innen zur Verfügung stehen, können wir zunächst nur eine Öffnungszeit von zwei Stunden anbieten. Für Hygienemaßnahmen haben wir gesorgt. Nach der Sommerpause und Urlaubsschließung vom 30.6. bis zum 18.8. hoffen wir, auch wieder Veranstaltungen anbieten zu können.